ProPraev 04 2026 1Melisa Budimlic von Refugio München hat in ihrem Fachvortrag am 18. März im Stadtsaal Neuötting, organisiert vom Verein ProPräventiv im Landkreis Altötting, darauf hingewiesen, dass in einer zunehmend globalisierten Welt die Vielfalt innerhalb von Gesellschaften stetig wachse. Familien mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund brächten unterschiedliche kulturelle Prägungen, Werte, Sprachen und Lebensrealitäten mit. Für Fachkräfte in Bildung, Sozialarbeit und Gesundheitswesen ergebe sich daraus die Aufgabe, sensibel, respektvoll und professionell auf diese Vielfalt einzugehen. „Diversitätssensible Zusammenarbeit ist dabei ein zentraler Bestandteil gelingender Unterstützung und Integration“, sagte die Referentin.

Diversitätssensibilität beschreibt die bewusste Wahrnehmung und wertschätzende Berücksichtigung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Menschen. Dazu zählen unter anderem kulturelle Herkunft, Religion, Sprache, Geschlecht, sozioökonomischer Status und individuelle Lebensgeschichten. Familien mit Fluchterfahrung hätten häufig belastende Erlebnisse wie Krieg, Bürgerkrieg, Verfolgung, Folter, Terrorismus oder Verlust durchlebt. Menschen mit Migrationshintergrund hingegen seien aus unterschiedlichen Gründen migriert, etwa aus wirtschaftlichen wie Armut, Arbeitssuche, Naturkatastophen, familiären wie Zwangsverheiratung, weibliche Genitalbeschneidung, Gewalt in der Familie oder bildungsbezogenen Motiven.

Für eine gelingende diversitätsensible Zusammenarbeit werden bestimmte Grundhaltungen benötigt. Jede Familie wird in ihrer Individualität respektiert und anerkannt. Fachkräfte sollten ihre eigenen Vorurteile und Stereotypen hinterfragen und offen für Reflexion sein. Empathisches Verständnis für die Lebenssituation und mögliche Belastungen der Familien ist hilfreich. Die Familien sollten aktiv in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Der Fokus sollte auf Stärken und Kompetenzen statt auf Defiziten liegen.

Als Handlungsempfehlungen für die Praxis gab Melisa Budimlic, eine einfache und klare Kommunikation zu pflegen. Religiöse und kulturelle

Bedürfnisse, z. B. bei Ernährung oder Feiertagen, sollten berücksichtigt werden. Es müsse Zeit für Beziehungsgestaltung eingeplant und Verlässlichkeit gezeigt werden. Die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen, interkulturellen Diensten und Communities sei sehr hilfreich. Fachkräfte sollten regelmäßig Schulungen zu interkultureller Kompetenz besuchen.

„Diversität bietet auch zahlreiche Chancen. Unterschiedliche Perspektiven fördern Kreativität, interkulturelles Lernen und soziale Kompetenzen. Kinder wachsen in einem vielfältigen Umfeld auf und entwickeln früh Toleranz und Offenheit. Familien bringen zudem wertvolle Ressourcen wie Mehrsprachigkeit und kulturelle Kompetenzen mit“, sagte Melisa Budimlic.

Diversitätssensible Zusammenarbeit ist eine grundlegende Voraussetzung für eine inklusive und gerechte Gesellschaft. Sie erfordert eine reflektierte Haltung, Fachwissen und die Bereitschaft, kontinuierlich zu lernen. Durch respektvolle und ressourcenorientierte Ansätze kann es gelingen, Familien mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund nachhaltig zu unterstützen und ihre Teilhabe zu stärken.

(Text und Foto: Verein)